Wenn Sie vom Haupteingang der Kirche kommend entlang der Fassade unserer Kirche gehen, so finden Sie die erklärenden Textpassagen hier in derselben Reihenfolge, wie sie im Original zu betrachten sind. Die letzten beiden Steine entdecken Sie hinten auf der Rasenfläche stehend und als Platte in Dreierformation liegend (älteste Stein).
Alle Texterklärungen sind von Pastor (i. R.) G. Lange aus Heidelbeck geschrieben. In mühevoller Arbeit hat er die teilweise stark verwitterten Inschriften versucht zu entziffern und zu übersetzen. Weiterhin hat er Nachforschungen zu den betreffenden Personen betrieben und die Ergebnisse in seine Ausführungen aufgenommen.

Grabstein August Rüggemeier
August Rüggemeier war ein gütiger Schulmeister, immer würdig gekleidet. Ihm ging der Ruf voraus, dass Schüler, die bei einem üblen Streich erwischt wurden, es ertragen mussten, dass der Stock über ihren Allerwertesten tanzte.
A. Rüggemeier war ein Sohn unseres Dorfes. Am 20.02.1853 erblickte er das Licht der Welt auf dem Hof Nr.2. 46 Jahre lang war er Kantor und Küster in seinem Heimatdorf.
Sein Schülerchor glänzte an den hohen Feiertagen im Gottesdienst. In seinen besten Jahren hat Rüggemeier hervorragende Leistungen als Organist und Lehrer erbracht. In der Zeit des 1. Weltkrieges war er erkennbar überlastet, als er meistens allein ohne Nebenlehrer durchschnittlich 220 Schüler/innen unterrichtete.
Unsere Schule war bis 1918 in kirchlicher Trägerschaft. Schulinspektor war der Dorfpfarrer, der zweimal im Jahr nicht nur die Schüler, sondern auch A. Rüggemeier einer strengen Prüfung unterzog.
Rüggemeier war tief religiös, aber er hasste alle geistliche Bevormundung und konnte sich sehr bissig darüber aussprechen.

Brandt / Niemanns
Hier ruht
Klaus Hermann Brandt
ist geboren 1709
den 11. Martinus (März)
ist gestorben
1759
den 18. Julius (Juli)
Alt 50 Jahr
4 Monat
Hier ruht
die Ehr- und
tugendsame
Maria Ilsabein
Niemanns
ist geboren 1713
den 13. Februarius
gestorben 1757
den 29. Dezember
Alt 44 Jahr
10 Monat
Dieser Grabstein stammt geistesgeschichtlich aus der Zeit
der Aufklärung, also des Vernunftglaubens.
Typisch für diese Epoche ist der fehlende Bezug zur biblischen Botschaft. Sonntags
wurden als Predigtersatz Vorträge über Landwirtschaft gehalten. Von allen Bestatteten
wurde ihre Tugendhaftigkeit gerühmt. Das Angewiesen sein auf die göttliche Gnade
kommt weder durch Worte noch durch Symbole zur Sprache.

Johann Altdolph Helmigsmeyer, Halbmeier
Nr. 12 Langenholzhausen.
Dieses Denkmal ist zum verdienten Nachruhm von einer patriotischen Gesellschaft gestiftet worden. Der Bestattete war u.a. Kirchendecke (Kirchenälteste, zuständig für die Immobilien und Ländereien, nicht aber für die Seelsorge an den Gemeindeglieder).
Er war zudem Bauernschaftsvorsteher. Gerühmt werden sein sittliches Verhalten, sein unermüdlicher Fleiß und seine Tüchtigkeit als Landwirt.
Die lippische Rose in der Überdachung des Denkmals weist auf Wichtigers hin, nämlich auf seinen Einsatz als Mitarbeiter der patriotischen Gesellschaft.
Diese war eine Unterstützungs- und Kreditkasse, 1775 gegründet von Gräfin Casimire zur Lippe, geborene Prinzessin von Anhalt – Dessau (1749-1778).
Diese Gräfin war eine Sozialreformerin, die unter anderem Bauern im Amt Varenholz mit günstigen Krediten unterstützte und auch Johann Adolph Helmigsmeyer war ein tatkräftiger Förderer dieser Berufsgruppe.
Zu seiner Zeit zogen 1759 französische Truppen während des Siebenjährigen Krieges durch Langenholzhausen. Am 1. August plünderten Franzosen in Langenholzhausen. Noch lange Jahre hat große Armut in dem Dorf herrscht.

Stein ohne Person
Auf der Rückseite des Steins steht weiterer Text, der auf eine Person, die man diesem Stein zuordnen kann, hinweisen könnte.(Nähere Informationen folgen…).

Grabstein für Simon Hermann Capelle, bestattet 1773
Bis 1902 befand sich der große Grabstein im Chorraum der Kirche. Dies lässt auf den hohen Rang des Bestatteten schließen.
Der Barockgrabstein ist zeitgemäß, geschmückt mit Wappen, Engelsköpfen, eingeritztem Totenkopf, Fledermausflügeln und Stundenglas.
Simon Hermann Capelle wird gerühmt als glänzender und ausgezeichneter Präfekt der Amtsleute von Schaumburg Lippe, Bückeburg, Stadthagen, Detmold und Varenholz.
Er starb im Alter von 60 Jahren. Er war als guter Vater und Ehemann in Erinnerung.
Unter Trauer seiner Freunde auf fromme Weise verstorben, wurde dieses Denkmal aufgestellt.
Die Verherrlichung der Moral eines Toten ist typisch für die Barockepoche. Die Glorifizierung der Frömmigkeit ist nicht immer typisch für diese Zeit.

Wappenstein des niederländischen Generals und Festungsbauingenieurs, Johan van Rijswijck
„ Anno 1612 den 25. Januarii starb der edler gestrenger(…) bey den Staaten von Hollandt und graflicher Lippischer Geheimer Rath, dessen Seele Godt Gnade.“
Das Grabdenkmal lag bis 1953 unerkannt im Fußboden der Kirche.
Der Wappenstein ist auf der rechten Seite fast bis zur Unkenntlichkeit abgetreten. Die acht Wappen der mütterlichen Vorfahren haben sehr gelitten. Auf der linken Seite kann man die acht Wappen der Vorfahren in der väterlichen Linie noch gut erkennen.
Der General hat den Ausbau der niederländischen Festungen im Krieg gegen die Spanier maßgeblich gestaltet. Er war in der Folgezeit auch im Festungsbau bekannter Städte, gutachtlich und planerisch tätig, wie in Bremen, Lübeck, Hamburg, Ulm und Lippe.
Im Jahr 1600 stellte Graf Simon VI. (der Erbauer unserer Mühle), den Niederländer als geheimen Rat ein. Rijswijck wohnte in Varenholz und gab dem Schloss seine jetzige Gestalt. Im Rahmen eines Staatsaktes wurde er in unserer Kirche bestattet. Den Grabstein hat vermutlich Simon VI. in Auftrag gegeben.

Grabstein für Johann Frundt, beziehungsweise Freundt, gestorben 1591.
Dieser Grabstein lag bis 1954 im Chorraum der Kirche.
Er starb im Alter von 61 Jahren nach 34-jähriger Dienstzeit. Sein Ruf war ehrenvoll. Er wurde als rechtgläubiger Mann bezeichnet.
Diesen Text findet man auf seinem Grabstein:
Wer auch immer du bist, Wanderer, der du wünschst, glücklich in diesem Leben zu sein und vollends teizuhaben am Lebensglück, tritt in dieselben Fußstapfen wahrer Liebe und wahren Glaubens, in welchen dieser vormals ging.“
„In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst HERR, du treuer Gott (Psalm 31,6).“
Johann Frundt wurde von Margarete von Saldern als Pfarrer berufen.
1571 hat er die Schule in Langenholzhausen als erste Landschule in Lippe gegründet. Für den ersten Lehrer bezahlte er die Kosten für seine Unterkunft und Verpflegung aus eigener Tasche. Der erste Landschullehrer unterrichtete auch im Lehrfach Latein für zukünftige Pfarrer und hohe Verwaltungskräfte. Bald übernahmen Simon VI. (der Erbauer unserer Mühle) die Kosten für den Schulbau neben unserer Kirche und die Besoldung der Lehrer. Das Schulgebäude war ähnlich primitiv wie die armseligen Bauerhäuschen seiner Zeit.

Grabstein Klaus Brant und Ilsabein Rick Meyers.
(Keine Geburts- und Sterbedaten, vielleicht ist der Stein unvollständig erhalten).
Der Nachname lässt auf einen relativ spät entstandenen Rodungshof schließen (Brandrodung).
Wertvoll ist dieser Stein durch seine aussagekräftigen Symbole:
Da ist der Lorbeerkranz. Der Apostel Paulus schrieb einst, dass der antike Athlet in der Kampfbahn alles dran setzte, um den Siegerkranz zu erlangen. Den erstrebt Paulus auch aus der Hand Christie. Seinen Mitchristen legt der Heidenapostel dies auch als vorrangiges Lebensziel ans Herz. Das von Pfeilen durchbohrte Wort Herz ist ein Hinweis auf das Sterben der Bestatteten.
Und wenn aus dem Herzen der Lebensbaum wächst, so bekundet das die Hoffnung auf Auferstehung.

Reinecke de Went (verwittert: Wend)
Auf dem Grabstein erkennt man nur noch den Namen und das Wappen seiner Vorfahren, die drei Eisenhüte.
1534 verstarb er und wurde im Chorraum der Kirche unter dem Grabstein aus Oberkirchner Sandstein bestattet. Bis 1954 stand der Abendmahltisch auf seiner Grabplatte, wie auch auf der Grabplatte seines einzigen legitimen Sohnes Simon, mit dem die Hauptlinie der de Wends ausstarb.
Im Gegensatz zu seinem Großvater Friedrich de Wend lebte Reinicke in Frieden mit seinem Landesherren, dem Grafen Simon V. zu Lippe, aber auch mit den Bürgern Lemgos, wo er reiche Güter hatte. Seinen Bauern gegenüber war er ein gutmütiger Lehnsherr. Reinecke war verheiratet mit Margarete von Saldern (gestorben 1561) aus Niedersachsen.
Simon de Went oder Wend
Geboren 1513, gestorben am 12. Juni 1548.
Simon war reichbegabt, schulisch gut gebildet (Lemgo) und charakterfest. Er war der eifrigste Befürworter der Lehre Martin Luthers innerhalb der Ritterschaft Lippes. Der Ritter Simon war – neben anderen, wie dem Grafen von Schaumburg – Vormund des unmündigen Grafen Bernhard VII und sorgte dafür, dass dieser am Hofe des Landgrafen Philipp von Hessen im evangelisch-lutherischen Bekenntnis erzogen wurde.
Nachdem die lippischen Landstände auf dem Landtag in Kappel (1538) die erste lippische Kirchenordnung beschlossen hatten, schickte Simon diese in plattdeutscher Sprache nach Wittenberg zur Begutachtung. Philipp Melanchthon nahm nur wenige Änderungen vor. Sein Brief vom 8. November 1538 kam mit Unterschrift von Martin Luther in Varenholz an.
Simon vertiefte sich selbst in die Lehre Luthers und unterrichtete kompetent Pfarrer und Laien darin.
In unserer Kirche stand der Abendmahlstisch lange Zeit auf dem Grabstein, der zunächst im Chorraum lag. 1953 wurde die Grabplatte an der Kirchenwand aufgestellt. Ein Teil des Grabsteins ist abgeschlagen worden, um den Aufgang zur Kanzel zu ermöglichen.

Grabstein Redeker.
Geboren am 2. September 1782.
Verstorben am 22. Januar 1830.
Symbole: rechts und links oben eine aufgehende Sonne.
Passend zu den Symbolen lesen wir:
„Hier ruht bis zum frohen Erwachen und schönem Auferstehungsmorgen ICP Redeker.“
Die aufgehende Sonne lässt denken an Matthäus 17,2: „Christi Angesicht leuchtet wie die Sonne.“
Die Symbole und die theologisch geprägten Worte lassen eindeutig erkennen, dass der Bestattete von seinem Pfarrer Friedrich Konrad Krüger, dem Vorgänger der Erweckungsbewegung in Lippe, beeinflusst worden ist.
Am Fuße des Grabsteins lesen wir: „Aus treuer Liebe im Andenken an den Verstorbenen hat die Gattin, Wilhelmine Redeker, geborene Bötger aus Erder diesen Stein setzen lassen.“
Die Witwe ist offenbar nicht neben ihrem Ehemann bestattet worden, sondern neben ihrem zweiten Ehemann.

Gedenktafel für Pastor Friedrich, Konrad Krüger
Dieser Pfarrer, Vorläufer der Entdeckungbewegung in Lippe, wurde zwischen Kirche und alter Schule bestattet. Die ursprüngliche Grabplatte ging verloren.
Eine Rekonstruktion ließ Prediger… Naber 150 Jahre nach dem Sterbedatum aufstellen. Pastor Konrad Krüger wurde einst von Fürstin Pauline (Paulinen Brücke) nach Wüsten gesandt. Das Dorf war sittlich verkommen. Das konnte und wollte Pauline nicht ertragen:
„Mein lieber Krüger hat das Talent, mit diesen unordentlichen Leuten fertig zu werden.“
Das hatte er auch, der Sohn eines Gastwirtes.
Später ging in Wüsten die Redensart um: „Wir hatten einen Pastor, dessen Beine krumm waren, seine Predigten waren aber gerade.“

Pastor Krücke
Grabstein mit Kreuz für Pastor Ludwig Krücke, Pastor in Langenholzhausen von 1858-1899.
Das Grab befand sich ursprünglich auf dem neuen Friedhof am Dorfrand und nicht auf dem Kirchhof, der zur Zeit von Kaiser Karl dem Großen angelegt worden war.
In Anerkennung seiner segensreichen Tätigkeit als Prediger und Seelsorger hat die Gemeinde diesen Grabstein gestiftet, wie das bereits bei seinem Vater Wilhelm geschehen war.
Ludwig Krücke tat sich als Mann des Konfession Gesellen Friedens zwischen Reformierten und Lutheranern hervor.
1878 wurde er in der Aula des Detmolder Gymnasiums Leopoldinum als erster Präses der ersten lippischen Landessynode gewählt und somit auch zum Vorsitzenden der Synode. Sein Vater Wilhelm war einer der fünf Pastoren, die nach langen theologischen Kämpfen die Wiedereinführung des Heidelberger Katechismus in Kirche und Schule gestritten haben.

Pastor Haselunne
Der älteste Grabstein auf dem Rasen, rechts in einer Dreierreihe mit zwei weiteren liegenden Steinen, gehört Pastor Johannes Hasselunne, der wahrscheinlich mit dem Pfarrer Johannes Hasselmann identisch ist.
Hasselunne starb vermutlich 1507, etwa zehn Jahre vor Beginn der Reformation am 31. Oktober 1517, wie Wilhelm Süvern berichtet. Dieser Grabstein eines katholischen Priesters ist der älteste auf unserem Friedhof an der Kirche.
Die Grabinschrift ist in spätgotischen Minuskeln (kleine Buchstaben) verfasst. Im Jahr 1975 war noch Folgendes zu lesen: „Es starb… Haselunne, Pastor hiesiger Kirche, hier begraben.“
Der älteste Grabstein auf dem Rasen, rechts in einer Dreierreihe mit zwei weiteren liegenden Steinen, gehört Pastor Johannes Hasselunne, der wahrscheinlich mit dem Pfarrer Johannes Hasselmann identisch ist.
Hasselunne starb vermutlich 1507, etwa zehn Jahre vor Beginn der Reformation am 31. Oktober 1517, wie Wilhelm Süvern berichtet. Dieser Grabstein eines katholischen Priesters ist der älteste auf unserem Friedhof an der Kirche.
Die Grabinschrift ist in spätgotischen Minuskeln (kleine Buchstaben) verfasst. Im Jahr 1975 war noch Folgendes zu lesen: „Es starb… Haselunne, Pastor hiesiger Kirche, hier begraben.“